FriedensJournal Nr. 2 / März 2008

   

 Buchbesprechung
 * Erst kam der Krieg – dann die Vertreibung

 
 

Erst kam der Krieg – dann die Vertreibung

Conrad Taler: „Verstaubte Kulisse Heimat“, PapyRossa Verlag 2007, 234 Seiten, ISBN: 978-3-89438-376-3, EUR 14,90
Flucht und Vertreibung sind nach wie vor ein Thema, das von den Vertriebenenorganisationen besetzt und bis heute von der bundesdeutschen Regierungspolitik unterstützt wird. Neben den Landsmannschaften gibt es aber auch Stimmen aus dem Kreis der Heimatvertriebenen, die mit historischen Legenden aufräumen und sich um eine wahrheitsgemäße Darstellung bemühen. Der unter dem Namen Conrad Taler schreibende Journalist Kurt Nelhiebels ist ein Heimatvertriebener aus dem Sudetenland, der Zeit seines Lebens die Geschichte seiner Jugend im Sudetenland und die Vertreibung nach 1945 aufgearbeitet hat, in Form von Tagebüchern, Kurzgeschichten und Recherchen über die Nachkriegskarrieren von ehemaligen Gefolgsleuten Hitlers aus dem Sudetenland.
Das vorliegende Buch ist eine Zusammenstellung früherer Veröffentlichungen, ergänzt mit aktuellen Beiträgen. Damit spannt das Buch einen großen Bogen von der historischen Aufarbeitung angefangen mit der „Sudetenkrise“ und den Begleitumständen der Okkupation des Sudetenlandes durch Nazi-Deutschland bis hin zu einer Analyse der Vertriebenenverbände in der heutigen politischen Landschaft. Nebenbei handelt es sich auch um ein sehr emotionales Buch, das sowohl den Herzschmerz bei der Vertreibung als auch die Emotionen bei einem Besuch der alten, verlorenen Heimat im Jahre 1990 beschreibt. Dieses macht den Inhalt des Buches authentisch und glaubwürdig. Die Fakten zum Sudetenland sind reichhaltig, wie z. B. dass die Nazis nirgendwo sonst so viel Zulauf bekommen haben, wie gerade dort. Oder die gravierende Verletzung des Selbstbestimmungsrechts der tschechischen Bevölkerung durch die Okkupation zunächst des Sudetenlandes und anschließend dem „Protektorat Böhmen und Mähren“. Wichtig ist auch der Hinweis, dass die kriegsbedingten Opfer unter den Sudetendeutschen ein mehrfaches über denen liegen, die aus der späteren Vertreibung resultierten.
Aufgrund des von den Vertriebenenverbänden geplanten und der Bundesregierung unterstützten „Zentrum gegen Vertreibung“ setzt der Autor den notwendigen Kontrapunkt und bietet letztlich ein hoch aktuelles Buch für die aktuelle politische Auseinandersetzung.

Karl-Heinz Peil