Inhaltsverzeichnis   Druckansicht  

Friedens- und Zukunftswerkstatt e.V.

50 Jahre Berufsverbote

Aufruf von Betroffenen des „Radikalenerlasses“ an die Politik: „Beenden Sie die Berufsverbotepolitik endlich offiziell!

Start einer bundesweiten Unterschriftensammlung in Vorbereitung des 50. Jahrestages im Januar 2022

Aktuell fällt im Zusammenhang mit den Einschränkungen im Rahmen der derzeitigen Covid-19-Maßnahmen der Begriff des Berufsverbots. Und in der Tat ist es für Hunderttausende Menschen derzeit eine große Belastung, dass sie in ihrem Beruf nicht arbeiten können. Das sorgt für Unsicherheit und Existenzängste, selbst wenn es staatliche Unterstützungs-maßnahmen gibt - die aber nicht alle erhalten und die hinten und vorne nicht ausreichen.
Die Berufsverbote der 70er und 80er Jahre für Tausende Menschen, die im öffentlichen Dienst arbeiteten oder sich dafür bewarben, hatten einen völlig anderen Hintergrund.
Der Radikalenerlass vom 28. Januar 1972 von Kanzler Willy Brandt (den Brandt später selbst als seinen größten politischen Irrtum bezeichnete) und den Ministerpräsidenten der westdeutschen Bundesländer hatte schwere Folgen für die Betroffenen: Viele verloren ihre Arbeit oder wurden gar nicht erst eingestellt, allein deshalb, weil sie sich beispielsweise gegen Notstandsgesetze, gegen den Krieg in Vietnam oder das Wiedererstarken alter Nazis engagiert und damit ihre im Grundgesetz garantierten Grundrechte wahrgenommen haben.
Nie wurde den Betroffenen eine konkrete Dienstpflichtverletzung vorgeworfen, sondern es ging meist um die Mitgliedschaft in legalen linken Parteien und Organisationen, oder um Kandidaturen für Parlamente.
Eine besonders üble Rolle dabei spielte der sogenannte Verfassungsschutz, der alle, die auch nur nach fortschrittlichen Einstellungen rochen, ausschnüffelte und die so gesammelten „Erkenntnisse“ an die Dienststellen weiterleitete. Dort saßen dann Beamtinnen und Beamte, die mit einem obrigkeitsstaatlichen Weltbild für Entlassungen und Nichteinstellungen sorgten. Die Hoffnung vieler damals Betroffener vor Gericht Recht zu bekommen, wurde nicht selten deshalb enttäuscht, weil an den Richtertischen Menschen saßen, die ihren ersten Amtseid auf Hitler geleistet hatten; Willi Geiger, ehemals Nazistaatsanwalt, war 26 Jahre lang Bundesverfassungsrichter.
Finanzielle Hilfen vom Staat erhielten die vom Berufsverbot Betroffenen nicht; sogar um Arbeitslosenunterstützung mussten sie kämpfen. Für viele sind die Folgen bis heute gravierend. Viele sind gesundheitlich angeschlagen und die Pensionen oder Renten sind mehr als bescheiden.
Eine große Solidaritätsbewegung in Deutschland und in ganz Europa führte nach 1972 dazu, dass viele ehemalige Betroffene schließlich doch noch oder wieder eingestellt wurden. In einigen Bundesländern wurde der Radikalenerlass ganz abgeschafft, in den meisten nicht mehr angewendet. Aber wirklich aufgearbeitet ist dieses dunkle Kapitel der bundesrepublikanischen Geschichte bis heute nicht.
Deshalb werden Betroffene aus dem gesamten Bundesgebiet einen Aufruf verbreiten, der bereits von zahlreichen Erstunterzeichner*innen aus Gewerkschaften, Politik und Kultur unterstützt wird.
Darin heißt es:
„Es ist an der Zeit,
den Radikalen-Erlass generell und bundesweit offiziell aufzuheben,
alle Betroffenen vollumfänglich inhaltlich zu rehabilitieren und finanziell zu entschädigen,
die Folgen der Berufsverbote und ihre Auswirkungen auf die demokratische Kultur wissenschaftlich aufzuarbeiten.“ (s. Anlage)

Diese Unterschriftensammlung soll das ganze Jahr hindurch fortgeführt werden; mit zahlreichen Veranstaltungen im gesamten Bundesgebiet soll auf das Unrecht von damals, das bis heute fortwirkt, aufmerksam machen. Das gilt insbesondere für die Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg, die eine Aufarbeitung des Radikalen-Erlasses bis heute verweigern bzw. ihn in abgewandelter Form weiter verwenden.

Weitere Informationen und Dokumente zum Thema finden Sie auf:
Web-Link.jpgwww.berufsverbote.de

Ganz aktuell dazu ein Kommentar zum 49. von Heribert Prantl (SZ) - veröffentlicht im Blog der Heidelberger Historikerkommission:
https://radikalenerlassbawuede.com/2021/01/25/heribert-prantl-zum-radikalenerlass-und-dessen-50-jubilaum-im-januar-2022/.

Der 8. Mai 2022 mahnt: Die Waffen nieder

PDF-Logo.jpg Flyer

8. Mai 1945: Endlich, die Waffen schweigen in Europa. Der deutsche Faschismus ist
militärisch besiegt. Diese Befreiung Europas vom Joch des NS-Regimes war nur möglich durch den antifaschistischen Widerstand und außergewöhnliche politische, diplomatische und militärische Anstrengungen der Anti-Hitler-Koalition, eine historisch einmalige Verbindung so unterschiedlicher Mächte wie der USA, der Sowjetunion, Frankreich und Großbritannien. ......

Programm am 8. Mai 2022
Vormittags in der gesamten Stadt: Frankfurt wird ein Blumenmeer | Wir gedenken der Opfer des NS-Regimes und der Widerstandskämpfer*innen mit Blumen an Gedenktafeln, Gedenkstätten und Stolpersteinen.
Paulsplatz
12:00 Uhr Kranzniederlegung am Mahnmal für die Opfer des NS-Regimes an der Paulskirche
Römerberg
Ab 12:00 Uhr Die beteiligten Organisationen stellen sich mit Infoständen vor
13:00 Uhr Eröffnung der Befreiungsfeier
Schultheater-Studio: Prolog „Damals war es Friedrich“
(Zeitzeugengespräch mit „Sonny“ Sonneberg)
Endlich: Gedenkstätte KZ Katzbach in den Adler-Werken mit Thomas Altmeyer
13:45 Uhr Microphone Mafia
14:30 Uhr Schultheater-Studio: Epilog „Damals war es Friedrich“
Vergessen: Roma und Sinti im Widerstand gegen das NS-Regime
15:15 Uhr Luna de Paita
16:00 Uhr Abschluss

 

 

Kurden-Demonstrationen nach wie vor kriminalisiert - auch zum Ostermarsch in Frankfurt
Am Rande der Ootermarschkundgebung auf dem Frankfurter Römerberg am 18.04.2022 nahm die Polizei einen kurdischen Teilnehmer fest wegen angeblichen Verstoßes gegen das Vereinsgesetz, welches das Zeigen verbotener Symbole und Fahnen unter Strafe stellt. Es ging dabei um Fahnen der kurdischen Selbstverteidigungskräfte der Autonomiebehörden in Nordostsyrien YPG und YPJ, Rojava-Fahnen und die der kurdischen Frauengemeinschaften (Komalen Jinen Kurdistan, KJK). Es droht eine Strafanzeige und die mitgeführetn Fahnen wurden beschlagnahmt. Auch der Hinweis auf ein Verwaltungsgerichtsurteil aus dem Jahr 2017 konnte die Polizei nicht davon abbringen, von einer strafbaren Handlung auszugehen.
--> weiter im Text
 
Seitenanfang